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Donnerstag, 15. September 2011

Zur Zeit noch Bauarbeiten, bald wieder aktualisiert

Under construction....

Donnerstag, 18. November 2010

Der Lokaljournalismus wird in Deutschland vernachlässigt, das Chancenpotential nicht genutzt

Vorstellung des Reports „Salto Lokale“


Der Lokaljournalismus wird in Deutschland vernachlässigt, das Chancenpotential nicht genutzt –


Regional- und Lokalzeitungen sind bisher die offensichtlichen Verlierer der Zeitungskrise. Dies ist der zentrale Befund einer Analyse mit dem Titel „Salto Lokale – Das Chancenpotential lokaler Öffentlichkeit“, die im Auftrag des „Mainzer Medien Disputs“ erarbeitet wurde. Diese Entwicklung ist besonders bedenklich, denn damit gehen nicht nur journalistische Arbeitsplätze verloren, sondern auch demokratisches Potential. Lokaljournalismus, in welcher Form auch immer, ist eine wichtige Voraussetzung für politische Meinungsbildung und politische Teilhabe. „Lokaljournalismus wird heute von den Verlegern häufig wie das fünfte Rad am Wagen behandelt, obwohl lokale Informationen für die Bürger erstrangig sind und oft erst eine aktive Teilhabe im Gemeinwesen ermöglichen,“ so Prof. Dr. Thomas Leif bei der Vorstellung des Reports in Berlin. „Lokalredaktionen müssen konsequent ausgebaut werden, damit sie ihren zentralen Auftrag der kommunalen Politikvermittlung erfüllen und die gefährliche Entfremdung zwischen lokalen Eliten und der Bürgerschaft reduzieren können.“

Auf Grund der besonderen Bedeutung der Lokalzeitungen für eine vitale lokale Demokratie legt der Mainzer Medien Disput zur diesjährigen Konferenz mit dem Titel „Öffentliche Betäubung und bestellte Wahrheiten“ (24. und 25.11.2010 im SWR und ZDF Mainz) den Report vor, der die Chancen lokaler Öffentlichkeit auslotet. Autor des Reports ist der Medienjournalist Fritz Wolf. Die Untersuchung analysiert den Stand des Lokaljournalismus aus unterschiedlichen Perspektiven: aus der Sicht von Chefredakteuren, Kommunikationswissenschaftlern, regionalen Bloggern, Gewerkschaftern und Volontären.

Wesentliche Ergebnisse des Reports:

- Qualität im Lokaljournalismus ist eine zentrale Voraussetzung. Das sehen auch die Verlage so. In der Realität fahren sie aber oft einen einschneidenden Sparkurs, schließen Lokalredaktionen, bauen Personal ab oder scheren aus den Tarifverträgen aus. Aber Qualität ist nicht möglich, wenn die Arbeitsbedingungen schlecht, die Redakteure unterbezahlt und die Freien Mitarbeiter mit Niedrighonoraren abgespeist werden. Durch Personalabbau lässt sich nicht mehr Qualität erreichen. Der Medienwissenschaftler Horst Röper (Format Institut) sieht als Tendenz, dass sich „ein neues Verständnis von Lokalberichterstattung etabliert“. Er befürchtet, „dass es zu Dysfunktionen kommen wird, die das gesellschaftliche Leben in allen Bereichen tangieren.“

- Lokaljournalismus lässt sich nicht über einen Leisten schlagen. Jede Stadt, jede Region hat ihre Eigenheiten, die die Lokalzeitung mit ihren Mitteln aufgreifen muss. Der Report zeigt verschiedene Erfolgs-Beispiele, wie Redaktionen kreativ agieren können.

- Die Verlage haben sich in Medienhäuser umbenannt, alle Publikationen erscheinen inzwischen auch Online. Das allerdings auf sehr unterschiedlichem Niveau. Viele Verlage betrachten Online immer noch nur als Zweitverwertung der Zeitungstexte. Online-Publizistik folgt aber anderen Gesetzen. „Online ist nicht die Verlängerung der Zeitung, sondern die Zeitung ist die Verlängerung von Online“, so definiert Horst Seidenfaden, Chefredakteur der Niedersächisch/Hessischen Allgemeinen die lokaljournalistische Zukunft aus seiner Sicht. Festzustellen ist: Die Möglichkeiten von Online sind vielfach noch nicht ausgeschöpft. Es fehlt dazu auch an Weiterbildung der Redakteure, an entsprechender Ausbildung und Ressourcen-Ausstattung.

- Lokalzeitungen können eine wichtige kommunal- oder regionalpolitische Aufgabe erfüllen. Lokalredaktionen sind aber auch eng in den politischen Alltag und die regionale Machtarchitektur eingebunden und damit häufig auch in Gefahr, den regionalen und lokalen Autoritäten zu nahe zu stehen. Wissenschaftler raten deshalb dringend zu einem Perspektivwechsel: auf Augenhöhe mit den Lesern und nicht auf Augenhöhe mit den lokalen Autoritäten. Klüngel, Filz und Korruption sind Herausforderungen, die Lokalredaktionen zu häufig nicht annehmen.

- Wissenschaftler zeigen auch, dass es in vielen Lokalredaktionen am journalistischen Know-how fehlt – ein Umstand, der oft nicht den Redakteuren, sondern den Arbeitsbedingungen geschuldet ist. Lokalzeitungen brauchen größere journalistische Vielfalt, mehr mutige Kommentare, mehr Reportagen und mehr persönlich adressierten Journalismus.

- Eine gute Lokalzeitung darf sich weniger denn je die Themen vor die Nase setzen lassen. Sie muss ihre Geschichten selbständig entwickeln und nach eigener Agenda behandeln. Recherche im Lokalen ist dabei zwar schwierig, aber unabdingbar und vor allem auch möglich. Dafür müssen allerdings die Redaktionen hinreichend personell und finanziell ausgestattet sein. Das gilt auch für den Online-Auftritt. „Zeit zur intensiven Recherche bleibt zumindest in den mittleren und kleinen Lokalredaktionen nur, wenn man dafür die Freizeit opfert“, sagen Lokalredakteure immer wieder.

- In einigen Städten haben unabhängige lokale Blogs begonnen, sich publizistisch in die Politik einzumischen. Manche sehen darin eine Chance, dem Lokaljournalismus als publizistisches Gegengewicht auf die Beine zu helfen. Nach bisherigen Erkenntnissen können Blogs die lokale Publizistik ergänzen, aber professionellen Journalismus nicht ersetzen. Bisher sind unabhängige Blogs keine wirkliche publizistische Konkurrenz und können sich auch wirtschaftlich nicht auf professionellem Niveau halten.

- Lokalblätter müssen sich stärker und direkt ihren Lesern und deren Interessen zuwenden. Darüber sind sich die Macher einig. Online eröffnet nun neue Möglichkeiten, Leser über interaktive Tools stärker an die Lokalzeitung zu binden. Wissenschaftler sagen, dass die Leser von ihrer Lokalzeitung informiert und unterhalten werden wollen. Das Lokale ist den Lesern das Wichtigste, aber sie wollen auch den Überblick. Zugleich erwartet eine Minderheit von Lesern auch aktivere Kommunikation, an der sie sich selbst beteiligen können. Derzeit sind viele Spielarten zwischen pseudopartizipartiven Angeboten und seriöser Teilhabe an der öffentlichen Kommunikation zu finden, die Entwicklung ist zukunftsoffen.

- In sehr unterschiedlicher Weise präsentieren Lokal- und Regionalzeitungen ihren lokalen Stoff. Einige Blätter haben entschieden, dem Lokalen absolut den Vorrang zu geben: nach dem Motto „Lokal first“. Das kann aber nur funktionieren, wenn im Lokalen auch relevanter Stoff bearbeitet wird. Was relevant ist, hängt auch von der Position der Zeitung ab, von spürbarer Nähe zu den Lesern und von ausreichender Besetzung der Redaktionen. Wissenschaftler befinden, „dass die Tageszeitung auch in Zukunft eine fundierte Gesamtsicht bieten muss“.

Aus den Recherchen des Reports lassen sich einige Empfehlungen ableiten, was sich ändern muss, um die lokale Kommunikation zu verbessern.

Es wird vor allem um Qualitätssteigerung auf verschiedenen Ebenen ankommen. Deutliche Zuwendung zu den Lesern, besserer Einsatz des journalistischen Handwerks, qualifizierte Online-Auftritte und ein besseres Berufsimage des Lokaljournalismus – das vor allem sollten Lokalzeitungen im Blick haben, wenn sie die Medienkrise und die Konkurrenz des Internets einigermaßen unbeschadet überstehen wollen. Da die Gefahr besteht, dass lokale Berichterstattung aus ökonomischen Gründen weiter verschwindet, muss sich auch die Medienpolitik mit dieser Frage befassen: mit welchen Mitteln kann künftig sichergestellt werden, dass sich die Bevölkerung ausreichend aus professionell-journalistischer Quelle über das lokale Geschehen informieren kann? Diese Zukunftsaufgabe ist durchaus mit der Frage verbunden, ob und mit welchem Ziel steuernd und unterstützend in den Markt eingegriffen werden soll?

Rückfragen: Prof. Dr. Thomas Leif – 0171.9321891

Dienstag, 9. November 2010

MedienDisput Berlin in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz

Am 16. November um 19 Uhr
Landesvertretung Rheinland-Pfalz
In den Ministergärten 6, 10117 Berlin

Das Vertrauen in die Leistungs- und Problemlösungsfähigkeit von
Politikern schwindet. Auch der Ruf der Journalisten wird bei Bürgern
und Politikern zunehmend schlechter. Der Vorwurf: Die Medien drehen
die Aktualitätsspirale immer schneller, Journalisten sind heute
ahnungs- und haltungsloser als je zuvor. Auch die Nähe zwischen
Hauptstadtjournalisten und Politikern wird kritisiert.

Nicht nur bei Großereignissen lassen sich Medien von Interessengruppen
und Informanten für eine bestimmt Sichtweise der Ereignisse einspannen
oder gar instrumentalisieren. Sie sehen sich zunehmend in der Rolle
politischer Akteure, die mit Schlagzeilen und Kampagnen Themen steuern
wollen. Das hat sich nicht zuletzt bei der Bundespräsidentenwahl
gezeigt: Viele Medien ließen keinen Zweifel daran, dass sie Joachim
Gauck für den besseren Kandidaten halten. Vehement forderten die
Kommentatoren, dass der Fraktionszwang für die Mitglieder der
Bundesversammlung aufgehoben wird. Als Christian Wulff dann
tatsächlich erst im dritten Wahlgang gewählt wurde, erkannten die
gleichen Kommentatoren darin kein Gewinn für die Demokratie, sondern
eine Durchsetzungsschwäche der Kanzlerin.

Wie verändern solche Trends das Verhältnis zwischen Medien und
Politik? Werden Rundfunk und Presse ihrer Rolle als Vierter Gewalt im
Staate noch gerecht? Welche Balance von Nähe und Distanz ist sinnvoll
zwischen Politikern und Journalisten?

Darüber diskutieren wir am 16. November beim MainzerMedienDisput in Berlin mit:

Harald Christ (Schattenwirtschaftsminister der SPD im Wahlkampf 2009)
Dirk Kurbjuweit (Leiter Hauptstadtbüro DER SPIEGEL)
Dr. Gesine Lötzsch (Vorsitzende der Linken)
Bettina Schausten (Leiterin ZDF-Hauptstadtstudio)
Dr. Christoph Steegmans (stellvertretender Regierungssprecher, angefragt)
Bernd Ulrich (Leiter Politikressort DIE ZEIT)

Moderation: Prof. Dr. Thomas Leif (Vorsitzender Netzwerk Recherche,
www.2plusleif.de)

Nach der Diskussion stehen die Panel-Teilnehmer Ihnen bei einem guten
Glas Wein und einem Imbiss zu vertiefenden Gesprächen zur Verfügung.

Für diese Veranstaltung steht nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur
Verfügung.
Wir berücksichtigen die Anmeldungen in der Reihenfolge des
Maileinganges an Veranstaltungen@lv.rlp.de bis spätestens 11.11.2010.
Zu dieser Veranstaltung erhalten Sie nach Ihrer Anmeldung eine
persönliche EINLASSKARTE per Mail.
Die Einlasskarte gilt für Sie persönlich und eine Begleitperson. Bitte
geben Sie den Namen Ihrer Begleitung bei der Anmeldung an. Ihre
Begleitung erhält nur gemeinsam mit Ihnen Einlass. Bitte halten Sie am
Einlass Personal- oder Dienstausweis bereit.

Mittwoch, 22. September 2010

Die "gedopte Realität" Scripted Reality und neue Doku-Soaps

Mainzer Mediendisput Berlin am 5. Oktober 2010 um 19.00 Uhr
in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz, In den Ministergärten 6, 10117 Berlin.
Willkommen in der Welt des pseudo-dokumentarischen Brüllfernsehens!

Konflikte wie "Nachbarin terrorisiert Familie", "14jährige Tochter schwanger", "Prügelnder Vater ist Trinker" sind der tägliche Stoff für Scripted-Reality- Formate. "Familien im Brennpunkt", "Verdachtsfälle" oder "Die Schulermittler" aus der Werkstatt der Privaten überschwemmen die Kanäle und erzielen Traumquoten. Es wird gekreischt, gezankt, gepöbelt - alles perfekt gegen Gage und nach Drehbuch inszeniert.

Denn was echt wirken soll, ist nur ein Fake! Mit fiktiven Geschichten, die von Laiendarstellern gespielt und im Stil des Dokumentarfilms präsentiert werden, wollen die Macher dieser Formate beim Zuschauer Realität suggerieren und mit angeblich authentischen Protagonisten trumpfen.

Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung verschwimmen. Ein Trend, der sich auch bei Doku Soaps, vermeintlich wahren Geschichten mit echten Betroffenen, zeigt: Auch hier bestimmen Regisseure zunehmend die "Realität". Was ist also noch echt? Und was ist die totale Inszenierung? Wie beeinflussen die neuen Erfolgsformate die Programmpolitik der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz? Werden die ohnehin raren hochwertigen Dokumentationen und Reportagen in ARD und ZDF, wie "betrifft" (SWR), "45.00" (NDR), "die story" (WDR), "37o" (ZDF), von diesem Trend beeinflusst? Was ist künftig noch echt im TV?

Darüber diskutieren wir am 05. Oktober beim MainzerMedienDisput in Berlin mit:

* Frank Beckmann, Programmdirektor NDR
* Prof. Carl Bergengruen - Spielfilmchef SWR; künftig Leiter Studio Hamburg
* Kathrin Löschburg, Geschäftführerin der Produktionsfirma MME
* Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, Herausgeber des Buches: "Die Casting-Gesellschaft"
* Andres Veiel, Regisseur und Dokumentarfilmer u.a. von "Black Box BRD" und "Der Kick" (angefragt)

Moderation: Prof. Dr. Thomas Leif (www.2plusleif.de)

Nach der Diskussion stehen die panel-Teilnehmer/innen Ihnen bei einem guten Glas Wein und einem Imbiss zu vertiefenden Gesprächen zur Verfügung.

Für diese Veranstaltung steht nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung. Wir berücksichtigen die Anmeldungen in der Reihenfolge des Maileinganges an Veranstaltungen@lv.rlp.de bis spätestens 30.9.2010.

Zu dieser Veranstaltung erhalten Sie nach Ihrer Anmeldung eine persönliche EINLASSKARTE per Mail.
Die Einlasskarte gilt für Sie persönlich und eine Begleitperson. Bitte geben Sie den Namen Ihrer Begleitung bei der Anmeldung an. Ihre Begleitung erhält nur gemeinsam mit Ihnen Einlass. Bitte halten Sie am Einlass Personal- oder Dienstausweis bereit.

Freitag, 23. Oktober 2009

Verleihung des "Leuchtturms" beim MedienDisput Berlin

Verleihung des "Leuchtturms" beim MedienDisput Berlin

"Klartext oder Weichzeichner – vom Sprachverlust und Orientierungsverzicht der Politik" lautet das Thema des MainzerMedienDisputs Berlin am 8. Dezember 2009 um 19 Uhr in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin (In den Ministergärten 6).

Es diskutieren:
Dr. Tobias Korenke, Pulizist, Berlin
Frank A. Meyer, Chefpublizist Ringier Verlag, Zürich
Prof. Dr. Uwe Pörksen, Sprachwissenschaftler, Universität Tübingen
Christina Schildmann, SPD Parteivorstand, Berlin
Dr. Thomas Steg, Ex-Regierungssprecher (Stv.)
Moderation: Prof. Dr. Thomas Leif, 2+LEIF (SWR) und Vorsitzender netzwerk recherche e.V.

Nach der Diskussion vergibt netzwerk recherche den "Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen".

Anmeldung per E-Mail an hzincke@lv.rlp.de

Dienstag, 14. Juli 2009

Das Thema des 14. MainzerMedienDisputs

Schweigen, Lügen und Vertuschen –
Wenn die Wahrheit nicht mehr öffentlich wird.


„In der Öffentlichkeit wird die Wahrheit unterdrückt.“

Prof. Dr. Paul Kirchhof
Süddeutsche Zeitung Magazin, Juni 2009


Der `Professor aus Heidelberg´ hat Recht. Was der frühere Richter am Bundesverfassungsgericht und CDU-Steuerexperte sagt, denken viele, sprechen aber nur wenige aus.

Aber – mitten in der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise der Bundesrepublik - ist die vielbeschworene Zivilgesellschaft mehr denn je auf die Wahrheit angewiesen. In diesen Zeiten, in denen täglich mit Milliarden-Subventionen „jongliert“ wird, werden die Medien als das verlässliche Navigationssystem gebraucht.

Nur: ähnlich wie die Politik haben auch die Medien „gefehlt“, als es darum ging, phantastische Geschäftsmodelle und undurchschaubare Gier-Fonds wirksam zu kritisieren und damit ihre Kontrollaufgabe wahrzunehmen. Schneller als erwartet hat man sich an ungenutzte Rettungsschirme, toxische Bad-Banks und schweigende Banker gewöhnt. Nur selten bricht jemand aus diesem Kartell der stillschweigenden Zustimmung aus und sagt laut und deutlich, was Sache ist.

Einer, der den Mut dazu hatte, in aller Öffentlichkeit die Wahrheit zu sagen, ist Eggert Voscherau, der Aufsichtsratchef der BASF. Mitte Juni rief Voscherau seinem Publikum im Ludwigshafener Feierabendhaus zu: „Die Wall Street hat nur eine Schlacht verloren, nicht den Krieg.“ Kein Finanzprodukt, das den „Weltbrand“ entfacht habe, sei bislang verboten. „Nichts, wirklich nichts“ sei bisher geschehen, um eine Wiederholung dieser Krise zu verhindern. Nur leiser seien die Banker geworden - und mehr auch nicht. Sein Fazit: „Die Politik scheut noch immer die Machtfrage.“



Hier knüpft der 14. MainzerMedienDisput (MMD) unmittelbar an und fragt: Gibt es den kritischen Journalismus heute noch? Wenn ja, ist er so ausgestattet, dass der Verfassungsauftrag, Kritik und Kontrolle auszuüben, noch zureichend praktiziert werden kann.

Täglich laufen neue Entlassungspläne der großen Verlagshäuser über den Ticker: mal geht es um 150 Redakteure, die ihren Job verlieren sollen, mal um 200, gelegentlich um mehr. Wichtige Titel werden eingestellt, große Fachredaktionen zusammengelegt, die journalistische Kompetenz ausgedünnt. Die öffentlich-rechtlichen Sender stellen sich auf ein Minus von 15 Prozent ihrer Etats ein und kürzen zum Teil bereits heute klassische Informationsprogramme.

Wir fragen: Wohin führt das, wenn Verlage und Sender weiter ihre Redaktionen auspressen? Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung für einen qualifizierten, untersuchenden Journalismus? Brauchen die Medien – so wie Quelle, Opel, Schiesser - staatliche Hilfen und Steuererleichterungen? Sind gebühren-finanzierte Zeitungen nur eine fixe Idee - oder wird dieser Rettungsring eines Tages geworfen?

Die Folgen dieses langfristigen Trends hat Walter Pincus, amerikanischer Pulitzer-Preisträger nüchtern analysiert: „Es gibt viele gute Journalisten, ohne Zweifel, aber auch jede Menge, denen das Haus im Grünen wichtiger ist als eine gute Geschichte. Um was geht es? Um Unabhängigkeit, Skeptizismus, Distanz zur politischen Maschinerie. Aber gibt man Journalisten heute die Freiräume und die Zeit, bestimmte Erfahrungen zu machen? Wir leben in einer PR-Gesellschaft.“ (Die Welt, 5.3.2009)

Die neuen Masterminds des Journalismus sitzen nicht mehr in den Chefredaktionen oder Planungsabteilungen. Längst haben spezialisierte Unternehmensberatungen das Kommando übernommen und versuchen einer bereits ausgepressten Zitrone noch mehr Saft zu entziehen. Der Chefredakteur des Handelsblattes, Bernd Ziesemer, hat seine praktischen Erfahrungen im Holzbrinck Konzern offengelegt:
„Einige der Powerpoint-Präsentationen der Berater „waren in ihrer fachlichen Lächerlichkeit, intellektuellen Dumpfheit, betriebswirtschaftlichen Vordergründigkeit und moralischen Impertinenz nicht mehr zu überbieten. Viele von ihnen missachten den Berufsstolz der Journalisten. Sie behandeln Journalisten wie die Bandarbeiter der Lückenfüllproduktion zwischen den Anzeigen. Und einige Verlage machen das leider mit.“ (Wirtschaftsjournalist 2/2009)


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Ziesemers Analysen und die langfristigen Auswirkungen eines entkernten Journalismus wollen wir im ...November in Mainz diskutieren.

Doch die demokratische Öffentlichkeit wird nicht nur durch „ökonomische Anpassungsprozesse“ unter Existenzdruck gesetzt. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger wandern ins Internet aus. Schon heute nutzen mehr als 70 Prozent das Netz. Viele Informationen, Service und Zusatzangebote können sie früher, kostenfrei und dazu noch mobil nutzen. Welche Auswirkungen hat die rasante Digitalisierung mit ihrem kommerziellen Unterbau für die notwendige Pluralität von Meinungen und die künftige Informationsqualität der Bürgerinnen und Bürger? Führt die weitere Netznutzung zu einer Verdrängung der „alten“ Holzmedien Presse, Funk und Fernsehen?

Während des 14. MMD geht es nicht um abstrakte Fragen von entrückten Experten, sondern wesentlich auch um die künftige Lebensqualität von vielen. Denn Medienfragen sind Machtfragen. Sie entscheiden über die Intensität von Kontrolle und Kritik, über die Pluralität von Meinungen und Haltungen und nicht zuletzt über das, was überhaupt öffentlich und damit diskursfähig wird?

Experten und Gegenexperten, Regierungssprecher und kompetente Journalisten, Praktiker und Wissenschaftler erörtern diese Fragen zusammen mit dem interessierten Publikum. Tabufrei, faktenreich und stets mit konstruktiver Perspektive.

Worum es nicht geht: um die Stimulierung einer diffusen Kassandra-Stimmung.
Den MMD-Machern ist vielmehr an inspirierenden Argumenten zur Stützung einer vielfältigen Medienlandschaft gelegen. Ohne sie würde die Demokratie im Ungefähren und Beliebigen absaufen und ersticken. Unser Leitmotiv für den MainzerMedienDisput 2009 stammt von unserem Wormser Kollegen, von Hans Werner Kilz, dem Chefredakteur der Süddeutsche Zeitung (SZ). Im SZ-Magazin (8.5.2009) skizzierte er ein realistisches Szenario, das mittlerweile bereits in vielen Regionen Deutschlands gilt: „Guter Journalismus lebt von Unabhängigkeit, verlangt Mut, Urteilskraft und moralische Integrität. Wer schreibt, braucht kämpferisches Temperament, eine polemische Bereitschaft, eine Freude an Kontroversen. (...) Was die Qualität einer Zeitung ausmacht, wird erst dann wertgeschätzt werden, wenn sie nicht mehr vorhanden ist.“

Die unabhängige Projektgruppe des MainzerMedienDisput

Freitag, 29. Mai 2009

Mediendisput: "Das Ende des Journalismus - Ist unsere Mediendemokratie noch zu retten?" .

Mediendisput: "Das Ende des Journalismus - Ist unsere Mediendemokratie noch zu retten?" .

Di., 23.06.2009, Landesvertretung Rheinland-Pfalz, In den Ministergaerten 6, 10117 Berlin.

Bedeutet das Verschwinden der gedruckten Zeitung das Ende des Qualitaetsjournalismus? Muss der Staat die Presse retten? Brauchen wir eine oeffentlich-rechtliche Zeitung? Sind Blogs, Twitter und Google ernstzunehmende Konkurrenz fuer professionellen Journalismus - oder bilden sie eine sinnvolle Ergaenzung? Kann sich Journalismus im Internet neu erfinden?

Die Medien stehen vor einem Epochenwechsel: Waehrend in den USA ein Zeitungstitel nach dem anderen eingestellt wird und selbst Qualitaetsblaetter wie die "New York Times" ins Schlingern geraten, waechst in Deutschland die Angst. Ein brach liegender Anzeigenmarkt, Auflagen im freien Fall und ein rasanter Mediennutzungswandel stellen Zeitungshaeuser vor die Frage, wie sie Journalismus weiterhin finanzieren koennen. Mit Blick auf die Bundestagswahl draengt sich die Frage auf, wie Zeitungen ihre Funktion als Leitmedien noch leisten koennen und welche alternativen Formen und Akteure der oeffentlichen Kommunikation an Bedeutung gewinnen.

Anlaesslich der beiden Buchveroeffentlichungen "Wozu noch Zeitungen? Wie das Internet die Presse revolutioniert" (Vandenhoeck & Ruprecht) und "Die Alpha-Journalisten 2.0. Deutschlands neue Wortfuehrer im Portrait" (Herbert von Halem) diskutieren Wortfuehrer aus Presse und New Digital Journalism ueber den publizistischen Formenwande und drohende Gefahren fuer unsere Mediendemokratie.

Es diskutieren:
- Wolfgang Blau (Chefredakteur "Zeit Online") ,
- Stephan-Andreas Casdorff (Chefredakteur "Der Tagesspiegel") ,
- Brigitte Fehrle (Stellv. Chefredakteurin "Berliner Zeitung") ,
- Hans-Juergen Jakobs (Chefredakteur "sueddeutsche.de") ,
- Frank A. Meyer (Chefpublizist Ringier Verlag) ,
- Mario Sixtus (Blogger "Der Elektrische Reporter") .
Moderation: Dr. Thomas Leif.

Im Anschluss Gespraeche bei Wein und Imbiss mit den Diskutanten und Herausgebern Prof. Dr. Stephan Weichert, Leif Kramp und Dr. Christian Zabel.

Anmeldungen an
Dr. Cornelia Doemer, Referatsleiterin Veranstaltungen, Gaestehaus; Medien
Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und der Europaeischen Union
In den Ministergaerten 6, 10117 Berlin
Telefon 030 72629-1170, Telefax 030 72629-1270
mailto:cdoemer@lv.rlp.de .
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